Meister
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"Neo-Advaita"

 

    Die Verführung durch “Neo-Advaita”

Die amerikanisch inspirierte spirituelle “Schnell-Imbiss-Kette” des Kurzschluss-Weges zum “Erwachen” in der Nachfolge von Poonjaji

In den letzten Jahrzehnten hat sich eine Subkultur des “Neo-Advaita” entwickelt. In der “Satsang-Bewegung” ist ein  flaches Abziehbild des ursprünglichen Advaita Vedanta entstanden. Und die sogenannten “Erwachten“ halten diesen von ihnen selbst erzeugten “Film“ für das Original. So gut und spannend allerdings ein Film sein mag - er ist nicht die wahre Wirklichkeit.

“Satsang wurde amerikanisiert. In einem durchschnittlichen Satsang-Meeting lacht jeder, mit Anzeichen von unauthentischer Euphorie und Freude, während der Lehrer versucht, so auszusehen, als wäre er oder sie in Glückseligkeit. Es ist wie in einer TV-Show. Nur sehr wenige meditieren tatsächlich. Warum auch meditieren, wenn wir alle schon erwacht sind?”

Ist Advaita tatsächlich nur das verbale Nachplappern der Mahavakyas wie „Es ist niemand da“, „Du bist DAS“, „Du bist bereits erwacht“ oder „Es gibt keinen Weg“, usw.? Hat das noch irgendetwas mit den Lehren großer Meister wie Swami Brahmananda Saraswati, Nisargadatta Maharaj, Maharishi Mahesh Yogi oder Ramana zu tun ?

Die meisten dieser neuen “sub-Gurus” sind durchaus gut entwickelte und wohlmeinende Persönlichkeiten mit mehr oder weniger Charisma. Sie unterliegen jedoch der Illusion, als seien sie selber bereits “voll entwickelt”, “erwacht” - was auch immer das heißen mag oder sie darunter verstehen mögen. Was nun das Lehren von Advaita anbetrifft, so sind sie ganz einfach unqualifiziert und inkompetent, ohne sich doch dessen und des gegebenen Ausmaßes ihrer Illusion bewusst zu sein. Sie haben dem Gedanken „Ich bin nun bereit zu lehren!“ zu schnell geglaubt. Irgendwo auf dem Weg haben sie ihre Unschuld, Demut und Aufrichtigkeit verloren und sind der Verführung ihres Egos erlegen, das sich - richtige Umgebung von Bewunderern vorausgesetzt - beginnt zur “Guruschaft” aufzublasen.

Zu den notwendigen Qualifikationen eines Meisters sagte der Begründer des Advaita Vedanta, Adi Shankara

Die meisten haben nicht viele Kenntnisse der Hintergründe:

Es menschelt - Hintergründe zum Poonja-Kult.

Theo Fehr: Zunächst ein wenig persönliche Geschichte: Der Aufenthalt der Beatles bei Maharishi Mahesh Yogi in Indien war im Frühjahr 1968. Ich wurde kurz darauf am 4. Mai 1968 in die Transzendentale Meditation eingeführt und befand mich wenige Wochen später in der TM-Akademie Bremen zu Füßen des Meisters, zusammen mit einigen TM-begeisterten Studenten aus Köln, wo ich damals Psychologie studierte. Ich ließ das Sommersemester sausen und flog stattdessen auf Anraten Maharishis zu einem Meditationskurs in Squaw-Valley - Californien, mit Nebenprogramm New York, Grand Canyon, Niagara Fälle. Ein halbes Jahr später ließ ich das Wintersemester sausen und befand mich auf dem - dem Beatles Kurs folgenden - dreimonatigen Kashmir 1969Ausbildungskurs zum Lehrer der Transzendentalen Meditation in Rishikesh am Ganges. Er wurde von Maharishi persönlich geleitet. 150 Kursteilnehmer aus der ganzen Welt besuchten den Kurs. Die letzten vier Wochen fanden in Kashmir statt. Der ganze Kurs besuchte den berühmten Shaivism-Philosophen Lakshman Joo zu dessen Geburtstag. (linkes Foto von re: Lakshman Joo, Maharishi, Theo Fehr). Als ich am 26. April 1969 nach Deutschland zurückflog, war ich der zwanzigste TM-Lehrer in Deutschland, das 10 Jahre später 1500 Meditationslehrer hatte. Ich führte meinen ersten Ausbildungskurs zum Erlernen der TM durch - nicht einmal ein Jahr, nachdem ich selber die TM gelernt hatte.

Ein weiterer Mitmeditierender aus der Kölner Studentenschaft - Jochen G. - flog zwei Jahre später nach Rishikesh zum TM-Lehrer-Ausbildungskurs. Zu der Zeit wanderte Poonja durch Indien, den Ganges entlang und entsprechend der yogischen Tradition war er Gast in Maharishis Ashram. Der TM-Lehrer-Ausbildungskurs war beendet, Maharishi wieder auf Welttour und nur noch wenige Kursteilnehmer weilten in der Akademie. Nachdem Jochen wieder nach Deutschland zurückgekehrt war, erzählte er, dass ihm “Poonja die Zukunft und viel über sein eigenes(Jochens) Schicksal gezeigt habe”, was sehr tiefgehend emotional gewesen sei, und er solle doch statt  Maharishi besser ihm - Poonja - folgen. Jochen kehrte also mit “neuem Meister” zurück nach Köln und  einige wenige TM-Meditierende liessen sich von seinen Erzählungen anstecken. So hatte Poonja bald eine kleine Gemeinde von Jüngern in Köln. Zentrum war die private Wohnung der Eltern Jochens in der Bonner Strasse, in der man sich traf. Poonja kam nach Köln und logierte dort. Es kam auch eine seiner Jüngerinnen aus Belgien, nach Aussage eines ebenfalls zu Poonja gewechselten ehemaligen TM-Meditierenden Werner S. seine “Hauptjüngerin”.

Eines Nachts ”erwischten” Jochens Eltern den Meister in flagranti beim Sex mit seiner belgischen Jüngerin und setzten ihn prompt rigoros vor die Tür. Poonja flog von Frankfurt aus zurück nach Indien. Werner S. beklagte sich über das gegenüber dem Meister wenig rücksichtsvolle Verhalten und verabschiedete sich mit einem persönlichen Brief von Poonja. Fast alle Kölner Jünger verließen den Meister auf der Stelle, da er sich mit seinem Verhalten in ihren Augen diskreditiert hatte. Offensichtlich erlebten sie eine deutliche Kluft zwischen Poonjajis Lehre und seinem Verhalten.

Es wird weiter berichtet (www.sein.de): “Poonja selbst habe den praktischen Aspekt von Advaita komplett verloren und die Lehre Ramanas bis zu einem Punkt vereinfacht, an dem sie sehr unrealistisch wurde. Auf der anderen Seite verstand Poonjaji die verkorksten Egos der westlichen Suchenden nicht. Viele seiner Anhänger begannen zu behaupten, dass er tatsächlich ihr „Erwachen“ bestätigt hätte. Es scheint, dass sie so verzweifelt auf spirituelle Errungenschaften und Bestätigung hofften, dass sie einfach erpicht darauf waren, ihn allzu wörtlich zu nehmen.....Und selbst wenn einige seiner Jünger einen Einblick in das Erwachen hatten, hat Poonjaji deutlich gemacht, dass keiner seiner Jünger die tatsächliche Erleuchtung erlangt hatte. Erst am Ende seines Lebens erkannte er, dass die meisten seiner westlichen Jünger unaufrichtig waren und nicht auf wirkliche Selbst-Verwirklichung aus waren, sondern nur auf die Rolle des „Satsang-Lehrers“. Er hat vielfach zum Ausdruck gebracht, dass keiner seiner Anhänger seiner Lehre würdig war. Wir können den Prozess des allmählichen Niedergangs des Advaita von Ramana zu Poonjaji, von Poonjaji zu seinen Anhängern und von seinen Anhängern zu den „Nachfolgern“ der Anhänger beobachten. Man mag so naiv sein zu glauben, dass Advaita in unserem Jahrhundert auf einer höheren Ebene wiedergeboren wurde. In Wahrheit ist dies die Zeit des Todes von Advaita. Es ist nicht unsere Absicht zu behaupten, dass niemand die Erleuchtung erlangt. Wir möchten nur deutlich machen, dass eine vollständige Erleuchtung und das Verständnis ihrer Natur noch immer ein extrem seltenes Phänomen in dieser Realität ist, einer Ebene sehr geringer Entwicklung. Und, ebenso wichtig, möchten wir betonen, dass eine teilweise oder vor-reife Erfahrung des Erwachens einen in keiner Weise qualifiziert, die Rolle eines verwirklichten Wesens einzunehmen.”

Erleuchtung ist was anderes:

Ken Wilber über Neo-Advaita

Ken Wilber

 

Ken Wilber hat in seinen Büchern “Integral Life Practice” und “Integral Psychology” die Strukturen eines systematischen Trainings und notwendiger SELBST-Erfahrungen auf dem spirtuellen Weg dargelegt, nahezu identisch wie Theo Fehr es in den Jahren 1988 bis 1991 in seiner dreijährigen Ausbildung zum Selbsterfahrungs-Trainer (S-E-T) für Praktizierende der TM entworfen und durchgeführt hatte:

Atman-Prinzip2

Die SET-Ausbildung ist ein Entwurf von Trainings in den vier Hauptbereichen menschlichen Daseins, die sich um die spirituelle Praxis herum gruppieren: MENTALE - EMOTIONALE - VERHALTENS - und KÖRPER bezogene Trainingseinheiten.

Hier eine historische Übersicht aus dem Jahre 1990:

set struktur 1

set struktur 2

Fazit: Schnellschuss-Advaita gibt es nicht ..... (zuweilen harte) Arbeit an sich selbst auf verschiedensten Ebenen ist für die meisten Menschen auf dem Weg unverzichtbar. Im SET-Konzept spiegeln sich die  hauptsächlichen Yoga Wege: 

      • Karma-Yoga - Handeln und Verhalten
      • Bhakti-Yoga: Herz und Emotion
      • Ghyana-Yoga: Der mentale Weg der Erkenntnis
      • Raja Yoga: Der achtgliedrige Pfad (Patanjali)

 

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